Unser Konzert „Musique de tendre“ nimmt die reizvollen, teils tückischen und in jedem Fall herausfordernden Verlockungen zwischenmenschlicher Beziehungen in den Blick und macht sie durch affektgeladene Barockmusik erfahrbar.

Zu hören sind: 

Mlle. Duval (c. 1718- nach 1775): Suite aus dem Ballett 
“Les Genies ou les caracteres de l'amour” (Bearbeitung)
I Ouvertüre - IV Sarabande (4 Min.)

Georg Friedrich Händel (1685-1759): Triosonate B-Dur, HWV 388
I Andante - II Allegro - III Largetto - IV Allegro (12 Min.)

Élizabeth Jacquet de la Guerre (c. 1664-1729): Sonata da camera g-Moll (8 Min.)
I Grave - II Presto - III Adagio (?) - IV Presto - V Adagio - 
VI Presto - VII Aria affettuoso, Adagio - VIII Becarre Allegro

Mrs. Philarmonica (18. Jhd.): Sonata Quinta c-moll (Vol.2)
I Andante e con Spirito - II Largo - III Allegro (5:30 Min.)

Giuseppe Antonio Brescianello (um 1690 - 1758): Triosonate c-Moll 
I Largo
John Cage (1912-1992): 44 "Harmonies from Apartment House 1776" (1976)
Harmony XXI "Heath, William Billings"
Harmony XXII "Wisdom, Jacob French"
Giuseppe Antonio Brescianello (um 1690 - 1758): Triosonate c-Moll
II Allegro
(12 Min.)

Georg Friedrich Händel (1685-1759): Triosonate g-Moll, HWV 393
III Largo – IV Allegro (6 Min.)


- Zärtlicheit, Zuneigung -
Élizabeth Jacquet de la Guerre (c. 1664-1729): 
Sonata da camera g-Moll 
II Presto & III Adagio (?)  (3 Min.)

- Treulosigkeit -
Barbara Strozzi (1619-1677): 
L'Eraclito amoroso (6 Min) 

- Aufrichtigkeit -
Georg Friedrich Händel (1685-1759): 
Triosonate g-Moll, HWV 393
III Largo (2:30 Min)

- das gefährliche Meer - 
Mlle. Duval (c. 1718- nach 1775): 
Suite aus dem Ballett 
“Les Genies ou les caracteres de l'amour” (Bearbeitung)
II Ritournel – III Air pour Les Genies – V Tambourin (5 Min.)​​​​​​​
Die Idee:
Jede Person im Publikum erhält eine eigene Landkarte, die an das historische Bild der Carte de Tendre angelehnt ist. Mit dieser Karte begibt sich das Publikum auf eine musikalische Reise, auf eine Reise zu den eigenen Beziehungen und durch den Konzertraum. Der Raum wird dabei als Konzertort neu definiert: Da sich das Publikum zu bestimmten Zeitpunkten an den Ort begibt, an dem man sich emotional gerade befindet, wird der Raum selbst zu einer emotionalen Landkarte. So begegnet das Publikum einander und der Musik auf eine persönliche Weise.

Historischer Hintergrund:
Den Ankerpunkt der Reise bildet die Carte de Tendre, die Mitte des 17. Jahrhunderts im Roman Clélie von Madeleine de Scudéry entstand und im Programmheft abgedruckt wird. Auf dieser Landkarte werden verschiedene Stationen und Zustände einer gleichberechtigten Liaison allegorisch dargestellt. Wertschätzung, Zuneigung und Anerkennung bauen Brücken über Flüsse, die in ein gefährliches Meer fließen, während in der Umgebung von Stolz und Treulosigkeit hoch oben auf einem steilen Felsen eine graue, kalte Festung thront.
Unser Konzert "Musique de tendre" greift den emanzipatorischen Gedanken der Carte thematisch auf. Sowie diese als ein Ergebnis der Salonkultur, die in ihrer Zeit in Frankreich in Form von Literatur- und Diskussionzirkel von Frauen aufblühte, gilt, verleiht das Konzert der Musik von barocken Komponistinnen eine gleichberechtigte Bühne. Der Gedanke, dass eine schöne zwischenmenschliche Beziehung nicht auf normativ vorgegebenen Werten beruht, sondern einer individuellen Reise, gleicht ist zeitlos.
Back to Top